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Harburger Anzeigen & Nachrichten, 8.9.2005

Eine Geburtstagsfeier in drei Akten
Rudolf-Steiner-Schule am Ehestorfer Heuweg wird 25 Jahre alt
Von Ernst Brennecke
Neugraben. Am Anfang war der Frust. Zahlreiche Eltern hatten keine Chance, ihre Kinder in einer der beiden Rudolf-Steiner-Schulen in Hamburg anzumelden. Das ist mehr als 30 Jahre her und heute nicht mehr vorstellbar. Aber es war der Grund, den Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik Harburg zu gründen. Das führte zur Gründung der Rudolf-Steiner-Schule Harburg am Ehestorfer Heuweg. Diese Schule gibt es jetzt seit 25 Jahren. Und das Ereignis wird natürlich entsprechend gefeiert. Im Mittelpunkt stehen der Festakt am Sonnabend, 10. September, ab 10 Uhr im Saal der Schule und der Große Festabend mit der Band „8 to the Bar" im Saal am Großmoordamm am Sonnabend, 17. September, ab 20 Uhr. Am 24. September folgt noch das ganztägige Michaeli-Herbstfest auf dem ganzen Schulgelände mit Spiel, Spaß, Mut, Geschicklichkeit, Geduld, Spannung - und Ernährung für jung und alt.
Rudolf-Steiner-Schulen sind der Beweis, dass man auch mit viel Lachen und unkonventionellen Ideen schulische Leistungen vollbringen kann. Rund 60 Prozent der Schüler, die hier eingeschult werden, legen auch erfolgreich die Abiturprüfung ab. Das geht natürlich nicht von selbst. Für die 435 Schüler stehen 40 Lehrkräfte (28 in Vollzeit) sowie weitere zehn Personen zur Verfügung, die für Therapie, Verwaltung und Ordnung zuständig sind. Dazu kommt die von Eltern ehrenamtlich geführte Schulküche. „Ohne Eltern geht hier gar nichts", sagt Nora Niehaus, die nicht nur als Fachlehrerin .im Bereich Handwerk, sondern auch im Sekretariat tätig ist. Deshalb weiß sie: Nur Eltern, die ihre Kinder während der Schulzeit unterstützen, haben erfolgreiche Kinder.
An Rudolf-Steiner-Schulen ist einiges anders als an staatlichen Schulen. So gibt es viele handwerkliche Stunden, in der achten und in der zwölften Klasse wird von der ganzen (!) Klasse ein Theater stück einstudiert und aufgeführt. In diesem Jahr werden es die ;,Nashörner" von Ionesco sein. In der elften , Klasse wird zudem eine Halbjahresarbeit erstellt, die dann jeder in der Aula vorstellt. Ob man sich dabei mit Goldschmieden oder mit Wölfen beschäftigt, ist jedem freigestellt.
Wie jede andere Rudolf-SteinerSchule auch steht die Harburger für Musik und Sport. Der Chor kann sich hören lassen, das Orchester wird gerade wieder aufgebaut. Und der Sport? Beim jüngsten Drachenbootrennen für Schüler auf der Außenalster kamen die Harburger. ohne große Vorbereitung mit fünf von neun Pokalen nach Hause. Das Geheimnis erklärt Klaus-Michael Maurer, Fachlehrer für Geschichte, mit dem Rhythmusgefühl der Schüler.
Eigentlich sollte die Schule im Phoenix-Viertel entstehen. Aber dort gab es damals keine geeigneten Räume. Durch Zufall erfuhr man von den Plänen des Kirchenkreises Alt-Hamburg, die Heideburg am Ehestorfer Heuweg verkaufen zu wollen. Sie wurde 1983 an den Förderverein übergeben, 1985 war Richtfest, am 3. Dezember bereits der erste Schultag.
Der erste Unterricht fand als „Balkonklasse" in Nienstedten statt. 1980 gab es in dem alten Schulgebäude in Bostelbek den ersten Unterricht in Harburg. Dort wurden Pavillons dazugebaut, so dass fünf Klassen unterrichtet werden konnten. Am Großmoordamm wurde der Kindergarten untergebracht, dort gab es auch den Unterricht in den Bereichen Handwerk und Gartenbau.
1992 gab es das erste Abitur im eigenen Haus, 1994 war der neue Schultrakt fertig, 1998 war der Turnhallenbau abgeschlossen. Verwaltet wird die Schule basisdemokratisch: Alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, es gibt keinen Direktor. Bisher haben rund 1000 Schüler die Schule besucht. |